Nachhaltige Entspannung will das Vitalhotel Sonneck den Gästen bieten. Wie das gelingt? Durch eine ländliche Umgebung, ökologischen Bau und einen kleinen, aber feinen Wellnessbereich. Unsere Reporterin hat Alpensalzbad und Klangliege getestet.

Text Isabelle Reinhardt

Tiefer Wald grenzt über der Straße direkt ans Vitalhotel Sonneck. Abgeschieden liegt das gelb und weiß gestrichene Gebäude da, das sich lediglich auf einer schmalen Straße erreichen lässt. Abgeschieden und erholsam. Denn gerade in der ländlichen Lage sieht Geschäftsführerin Cornelia Pilz das große Plus ihres Hotels: „Unsere Gäste müssen nicht ins Auto steigen, um raus in die Natur zu kommen.“ Man müsse nur die Tür aufmachen.Was hinter dieser Tür auf Besucher wartet, sind geführte Wanderungen, Nordic- Walking, Wassergymnastik und Yoga. Vital nach außen, nennt das Pilz. Vital nach innen fängt beim Essen im Restaurant an, wo das Augenmerk auf regionaler, gesunder Kost liegt. Doch auch Pool, Saunawelt und der Alpinspa hautevolée von Evelin Joss gehören dazu. Sie öffnet mir die Tore zum Reich der Entspannung. Vorsichtig tippe ich mit der großen Zehe auf die Wasseroberfläche in der großen Wanne. Unnötig, denn das Alpensalzbad ist natürlich wohlig warm. Reinsteigen, hinlegen, seufzen. Kerzenschein erleuchtet den Raum. Eine Buddha-Statue sitzt neben der Tür und fordert stumm zur Nachahmung auf. Augen schließen, in sich kehren. Doch das will noch nicht so recht klappen. Denn: Die Wanne leuchtet mal weiß, mal tiefrot, dann blau und schließlich grün und meine Augen wollen lieber das Farbspiel verfolgen. Je mehr Minuten verstreichen, umso ruhiger werde ich und klappe die Augenlider doch wieder zu. Zugegeben, ich war anfangs so sehr damit beschäftigt, mir alles anzusehen, dass ich sie gar nicht bemerkt habe: kleine Sau- erstoffbläschen, die vom Boden der Wanne aufsteigen. Nun rollen sie still meine Oberschenkel hinauf. Fast schon ist es um meine Ruhe wieder geschehen, als eines über meinen Rücken prickelt – es kitzelt. Doch dann kommt mir der Buddha wieder in den Sinn. Ich fühle dem Bläschen hinterher, bis es die Wasseroberfläche durchbricht und bemerke, dass es ein wohliges Gefühl ist, das durch meinen Körper rieselt. Weich und elastisch wie ein Gummiball fühle ich mich nach der ersten Anwendung. Ziel war es, die Muskeln zu entspannen – gerade im Sommer nach einer Wande- rung oder intensivem Sporttreiben. „Die Anwendung muss sofort wirken“, ist die Betreiberin überzeugt. Ihr Behandlungs- konzept ist ganzheitlich und in Anlehnung an Kneipp, nur modern interpretiert. Mein Glück, denn andernfalls wäre mein Bad womöglich frostig ausgefallen.

Aufs Körpergefühl eingehen

Joss geht auf das Körpergefühl ihrer Besucher ein. Wer nach kurzer Zeit beim Waten durch kaltes Wasser stechende Schmerzen empfindet, sollte das Wasser verlassen. Es stimme schon: Kaltes Wasser und Vita- min D, ein Hormon, das der menschliche Körper bei Sonnenlicht produziert, sind gesund. Doch zuletzt müsse die Individualität im Vordergrund stehen. Der nächste Raum duftet intensiv, aber nicht unangenehm nach Minze. Ein Aroma, das sich je nach Jahreszeit ändert. Im Bademantel liege ich auf etwas, das sich Klangliege nennt. Sie soll die Farbtherapie des Alpensalzbades fortführen. Joss beruhigt mich, bevor sie den Raum verlässt. Die Liege würde nicht wegfahren, auch wenn es sich vielleicht so anfühle. Irritiert frage ich mich, was mich angesichts dieser Vorwarnung erwartet. Kam es etwa schon vor, dass Gäste schreiend die Behandlung abgebrochen haben? Aus Angst, von einer Wellnessliege gekidnappt zu werden? Unsinn. Kopfhörer sollen mich von der Außenwelt isolieren. Eine Gitarre erklingt. Und die Klangliege? Sie macht keinerlei Anstalten, loszufahren. Stattdessen vibriert sie immer wieder. Zunächst halte ich die Abstände für beliebig. Schließlich jedoch, als die Sorgen des Alltags aus meinem Kopf wabern, überkommt mich die Erkenntnis: Die Liege vibriert synchron zu den Bass- tönen der Gitarre. Je tiefer der Ton, desto stärker die Vibration. Es ist merkwürdig. Mit der Gewissheit, dass Musik und Vibration im Einklang sind, reagiert mein Körper intensiver. Die Schwingungen der Basstöne dringen tief in mein Rückenmark ein. Kein Zweifel, die Wellness-Anwen- dungen von Evelin Joss wirken. Der wohl entspannteste Arbeitstag meines Lebens liegt hinter mir. Ich ruhe so sehr in mir, dass ich nach wenigen Metern auf meiner Heimfahrt kurz nachdenken muss, ob ich mich auf der richtigen Straßensei- te befinde. Doch dazu gibt es schließlich Meister Routine, der mich hinterm Steuer im Griff hat. Ein Zitat von Geschäftsführe- rin Cornelia Pilz kommt mir in den Sinn: „Wir möchten den Leuten nachhaltig Ent- spannung bieten.“ Gemeint war es im ökologischen Sinne, weil das Vitalhotel Sonneck den GreenLine Hotels angehört, einer Hotelkooperation, die auf naturnahe Umgebung, Regionalität und Nachhaltigkeit Wert legt. Für mich hingegen entfalten die Anwendungen im Alpinspa hautevolée bis zum Einschlafen ihre positive Wirkung. Denn ich bin entspannt. Nachhaltig.

 

 

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